Ein Aufhebungsvertrag beendet das Arbeitsverhältnis im gegenseitigen Einvernehmen — oft schneller und flexibler als eine Kündigung. Doch genau diese Freiwilligkeit hat ihren Preis: Wer mitwirkt, riskiert eine Sperrzeit beim Arbeitslosengeld. Worauf es ankommt.
Was ein Aufhebungsvertrag ist
Im Aufhebungsvertrag vereinbaren Arbeitgeber und Arbeitnehmer, das Arbeitsverhältnis zu einem bestimmten Zeitpunkt zu beenden. Anders als bei einer Kündigung gelten keine gesetzlichen Kündigungsfristen und kein Kündigungsschutz — der Beendigungszeitpunkt ist frei verhandelbar. Das kann ein Vorteil sein, etwa wenn du eine neue Stelle früher antreten möchtest.
Die größte Gefahr: die Sperrzeit
Weil du an der Beendigung aktiv mitwirkst, wertet die Agentur für Arbeit den Aufhebungsvertrag in der Regel als versicherungswidriges Verhalten — die Folge ist eine Sperrzeit von zwölf Wochen beim Arbeitslosengeld (§ 159 SGB III). Schlimmer noch: Die Sperrzeit mindert zusätzlich die gesamte Anspruchsdauer um ein Viertel.
Prüfe deine Situation und den möglichen finanziellen Verlust.
Zum Sperrzeit-Rechner →Wann die Sperrzeit ausnahmsweise entfällt
Es gibt Konstellationen, in denen keine Sperrzeit verhängt wird — etwa wenn dir ohnehin eine rechtmäßige betriebsbedingte Kündigung gedroht hätte, die ordentliche Kündigungsfrist eingehalten wird und eine Abfindung in einem bestimmten Rahmen (0,25 bis 0,5 Monatsgehälter pro Jahr) gezahlt wird. Auch ein nachgewiesener wichtiger Grund kann die Sperrzeit vermeiden. Diese Voraussetzungen sind aber eng — lass deinen Fall vorab prüfen.
Was im Vertrag stehen sollte
- Beendigungsdatum — idealerweise unter Wahrung der ordentlichen Kündigungsfrist, um Nachteile beim Arbeitslosengeld zu vermeiden.
- Abfindung — Höhe und Fälligkeit. Eine Orientierung gibt der Abfindungs-Rechner.
- Resturlaub und Überstunden — ob genommen, abgegolten oder ausgezahlt.
- Freistellung — bezahlt und unter Anrechnung von Urlaub?
- Zeugnis — am besten mit fest vereinbarter Note und Formulierung.
- Erledigungsklausel — welche Ansprüche mit dem Vertrag abgegolten sind.
Einen einmal unterschriebenen Aufhebungsvertrag kannst du in der Regel nicht widerrufen — ein Verbraucher-Widerrufsrecht greift hier nicht. Unterschreibe deshalb nie unter Zeitdruck und nimm dir Bedenkzeit.
Aufhebungsvertrag oder Kündigung abwarten?
Ob sich ein Aufhebungsvertrag lohnt, ist eine Abwägung: Er bietet Flexibilität und oft eine Abfindung, kostet aber den Kündigungsschutz und birgt das Sperrzeit-Risiko. Wer ohnehin eine neue Stelle hat und keine Lücke beim Arbeitslosengeld fürchtet, fährt damit häufig gut. Wer auf das Arbeitslosengeld angewiesen ist, sollte die mögliche Sperrzeit unbedingt vorher prüfen.
Schätze die mögliche Abfindung mit dem Abfindungs-Rechner und das Sperrzeit-Risiko mit dem Sperrzeit-Rechner, bevor du verhandelst.
Häufige Fragen
Häufig ja, weil du aktiv an der Beendigung mitwirkst. In bestimmten Fällen — etwa bei drohender rechtmäßiger betriebsbedingter Kündigung und Einhaltung der Frist — kann die Sperrzeit entfallen.
Beendigungsdatum, Abfindung, Resturlaub, Freistellung, Zeugnisnote und eine Erledigungsklausel. Lass die Punkte vor der Unterschrift prüfen.
In der Regel nicht — anders als bei Verbraucherverträgen gibt es kein gesetzliches Widerrufsrecht. Unterschreibe daher nie unter Zeitdruck.